Peter Maly gilt vielen als Deutschlands bekanntester Möbeldesigner. Im Gespräch mit homeguide erläutert er, was ein Produkt zum Klassiker macht.
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Geradlinig und bestimmt: Malys Entwürfe sind geprägt von seiner Liebe zu geometrischen Formen.
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Peter Maly, 1936 in Böhmen geboren, gilt für viele als Deutschlands erfolgreichster Möbeldesigner. Nachdem er bereits mit Anfang dreißig seinen ersten Entwurf produzierte, avancierte er schnell zum gefragten Vordenker international tätiger Hersteller. Bis heute bezeichnet der Designer das Bauhaus als einen der wichtigsten Bezugspunkte seines Schaffens. Vergleichbar mit den Protagonisten der klassischen Moderne, geht es auch ihm um die Verbesserung der Dinge durch Reduzierung auf das Nötigste. Im Gespräch mit homeguide erläutert Maly, wie er diese Prinzipien auf seine Arbeit für Superba übertragen hat.
Sehr geehrter Herr Maly, in Ihrem bisherigen Schaffen überwiegt die Gestaltung ausgewählter, einzelner Objekte. Mit „Avantgarde“ widmen Sie sich nun einer ganzen Kollektion. Worin besteht der Unterschied?
Kollektionen ermöglichen eine wesentlich komplexere Sicht auf das zu gestaltende Produkt. Sie eröffnen vielfältige stilistische Möglichkeiten, etwa durch die Berücksichtigung verschiedener Materialien und Funktionen.
Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit SUPERBA? Was reizt Sie am Designobjekt „Bett“?
Am Anfang stand ein sehr angenehmes Gespräch, bei dem die Verantwortlichen von SUPERBA die Grundidee des Vorhabens skizzierten. Im Laufe der Monate hat sich dann eine klassische Auftragsarbeit entwickelt, im Rahmen derer ich die Kollektion federführend entworfen habe. Zudem ist das Bett als Designobjekt – im Gegensatz zu anderen Möbelstücken wie dem Sofa – bislang eher vernachlässigt worden. Auch dies hat mich an der Arbeit gereizt.
In einem vorangegangenen Interview sagten Sie einmal: „Trends sind meist von kurzer Lebensdauer“. Mit welchen Stilmitteln haben Sie diese Erkenntnis bei der Arbeit an „Avantgarde“ berücksichtigt?
Keines der Modelle ist wirklich trendy. Die sechs Entwürfe basieren vielmehr auf einer breiten Palette populärer Designlinien – von strenger Bauhausform bis zu sinnlichen Entwürfen wie dem „Low“- bzw. „High Pad Bed“. Im Vordergrund meiner Arbeit steht dabei immer die dauerhafte Wertschätzung durch den Kunden. Dies erreicht ein Produkt am besten durch zeitloses Design, exzellente Materialien und eine qualitativ hochwertige Verarbeitung.
Alle sechs Modelle tragen Ihre Handschrift: „Funktionales Design mit Langlebigkeitspotential“. Von welchen Einflüssen wurden die Entwürfe bestimmt?
Das Bauhaus ist Ausgangspunkt vieler meiner Arbeiten, so auch hier. Der hinter dieser so prägenden Epoche stehende Grundgedanke, auf Überflüssiges zu verzichten und anstelle dessen das Funktionale zu betonen, bestimmt auch die Modelle der Kollektion „Avantgarde“.
Aus dem Automobilbau ist bekannt, dass neue Modelle teils radikal geändert und an machbare Produktionsabläufe angepasst werden müssen. Haben Sie bei Ihren Entwürfen im Laufe des Entwicklungsprozesses Abstriche gemacht?
Nein, ganz im Gegenteil. SUPERBA hat mir nicht nur viele Freiheiten gewährt, die Verantwortlichen haben nach unserer ersten Entwurfspräsentation vielmehr die Zahl der ursprünglich geplanten Modelle von drei auf sechs erhöht - aus purer Begeisterung. Grundsätzlich ist es jedoch nichts Negatives, wenn man im Laufe des Entwicklungsprozesses die Dinge verbessert. In den zahlreichen Gesprächen mit beteiligten Experten (Produktentwickler, Handwerker, Vertriebsleiter usw.) lernt man ja immer auch selber etwas hinzu.
Oberflächen und verwendete Materialien der „Avantgarde“-Kollektion scheinen teils sehr feminin, in anderen Fällen wirken sie wiederum sehr männlich. Berücksichtigt man als Produktdesigner die potentiellen Zielgruppen eines Auftraggebers?
Nein, zumindest nicht aus der Perspektive der Marketingfachleute. Man entwirft vielmehr eine Bandbreite potentieller Modelle, die möglichst viele Menschen ansprechen. Mit Blick auf „Avantgarde“ hat sich daraus eine Vielfalt entwickelt, die sich – so meine ich – sehen lassen kann.
Wir leben im Jahr 2008, die Wirtschaft gilt als globalisiert. Ist Design heute wichtiger als vor 30 Jahren?
Design muss heute als Selbstverständlichkeit gelten, denn es kann viel zum Unternehmenserfolg beitragen. Ein guter Designer verpackt eine Produktidee so, dass sie Identität stiftet und den entscheidenden Vorsprung im Wettbewerb schafft. Dabei sorgt das konsequente Verfolgen einer charakteristischen Optik für Wiedererkennung – ein unschätzbarer Vorteil im heutigen Wirtschaftsleben.
Sie gelten als Deutschlands bekanntester Möbeldesigner. Was treibt Sie bei Ihrer Arbeit an? Schließlich könnten Sie ja bereits seit einigen Jahren die Vorzüge des Ruhestands genießen.
Welcher Maler legt schon den Pinsel bei Eintritt ins Rentenalter einfach zur Seite? Ich finde Ruhestand ausgesprochen langweilig. Die Suche nach neuen Formen und zeitlosem Design treibt mich auch heute noch an. Aber natürlich arbeite ich nicht mehr rund um die Uhr, zudem habe ich in den letzten Jahren mein Team etwas verkleinert.
Im Rückblick auf Ihr bisheriges Schaffen: Wann ist Design wirklich gut? Welche Faktoren machen ein Produkt zum „Klassiker“?
Gutes Design berücksichtigt aus meiner Sicht mehrere Faktoren: Funktionalität, eine perfekte Fertigung, die hohe Qualität der verwendeten Materialien und einen zugrunde liegenden Entwurf, der originär ist und dem Produkt zugleich Eleganz verleiht. Mit Blick auf „Avantgarde“ hoffe ich, dass das geometrische Formenpotential der vorgelegten Entwürfe über lange Zeit begeistert – jeden Tag, immer wieder aufs Neue.
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