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| Spielverderber? Asiatische Raubkopierer haben den europäischen Markt im Blick | |||||||||||||
| Als vor wenigen Jahren ein in Peking ansässiger Computerhersteller IBM kaufte, war dies nur der Höhepunkt einer bis dahin beispiellosen Aufholjagd. Mittlerweile ist das Land zur drittstärksten Volkswirtschaft herangewachsen, vier der 10 weltgrößten Banken haben chinesische Wurzeln. Doch während viel Geld und Know-How in das Land transferiert werden, verhindern laxe Gesetze noch immer einen wirkungsvollen Schutz geistigen Eigentums. So stoppte vor zwei Jahren ein europäischer Hersteller von Küchengeräten den Bau einer neuen Produktionsstätte nahe Shechuan, weil in Steinwurfnähe eine identische Fabrik hochgezogen wurde. Die Chinesen wollten noch während des Aufbaus möglichst viele der geplanten Produktionsabläufe in ihr Werk übernehmen. Doch Rückzug ist die letzte aller Optionen, schließlich investieren chinesische Unternehmen außerhalb ihres Landes Unmengen in den Aufbau von Vertriebswegen und die Pflege ihrer - teil sehr europäisch klingenden - Marken. So ist vielen bereits heute Laier, ein Produzent von Haushaltgeräten, ein Begriff. Und Landwind, ein Geländewagen, floppte zwar beim ersten Einführungsversuch in Deutschland. Aber selbst Hersteller wie Volkswagen erwarten eine Rückkehr, dann mit verbesserter Technik und einem schlagkräftigen Vertriebsnetz. Soweit hat es die Einrichtungsbranche bislang noch nicht gebracht, auf Messen und in Möbelhäusern dominiert „No Name“-Ware. Doch eben diese verursacht beachtlichen Schaden, da ein Teil der Produkte simple Imitate teurer Originale sind. China (und andere Länder Asiens) verlangen ihren berechtigten Anteil am Wohlstand einer globalisierten Wirtschaft, künftig wird der Konkurrenzdruck also eher zu- als abnehmen. Ideen und Durchhaltevermögen sind in diesem - manchmal ungleichen - Wettbewerb gefragt. Auf den folgenden Seiten stellen wir drei verschiedene Ansätze vor, mit denen heimische Unternehmen sich gegenüber asiatischen Herstellern behaupten. Dabei scheinen jene Firmen im Vorteil zu sein, deren Produkte eine eigene Identität besitzen, qualitativ höchsten Standards folgen und unter dem Dach einer emotionalen, sympathischen Marke verkauft werden.
Eine besondere Stellung im Kampf gegen Raubkopierer nimmt Koziol, renommierter Hersteller von Schmuck und Wohnaccessoires, ein. Das 1927 in Erbach gegründete Unternehmen zählt heute zu den innovativsten Vertretern seiner Zunft, der Name Koziol steht wie kein anderer für frisches Design und Spaß an guter Einrichtung, Die zig-fache Nachahmung seiner Produkte nahm Stephan Koziol vor einigen Jahren zum Anlass, im Kampf gegen Raubkopierer auf vielfältige Mittel und eine breite Unterstützung der Medien zu setzen. Im Gespräch mit homeguide erläutert der Sohn des Firmengründers aktuelle Herausforderungen in diesem oft ungleichen Kampf. Schließlich soll Koziol auch künftig „in Kunststoff gegossenes Glück“ produzieren. Und das „Made in Germany“. Herr Koziol, Ihr Unternehmen konzentriert von der Idee bis zur Vermarktung eines Produktes und von der Konstruktion bis zum Formenbau alle Produktionsprozesse am Stammsitz im Odenwald. Wie schafft es Koziol, trotz höherer Kosten weltweit konkurrenzfähig zu sein? Genau die angesprochene Situation „von der Idee bis zur Vermarktung und von der Konstruktion bis zum Formenbau - alles aus einer Hand“ ist ein unschätzbarer Wettbewerbsvorteil, der durchaus auch seine berechtigten Kosten hat. Die Vorteile machen das jedoch wieder wett. Dazu zählen das höhere Wissen in allen Fertigungsschritten, die Möglichkeit, perfekte Qualität bieten zu können sowie die Flexibilität und Schnelligkeit. Das Ergebnis sind Produkte, die zuverlässig funktionieren und den emotionalen und kommunikativen Mehrwert beinhalten und dabei selbstverständlich attraktiv der Nachfrage entsprechen. In Summe ist der reelle Preis des Koziol-Design und die Kundenüberzeugung der Lohn für den Anspruch „Made in Germany“. Sie haben sich vor einigen Jahren an die Spitze im Kampf gegen Raubkopierer gesetzt, das Thema ist Ihnen eine Herzensangelegenheit. Immerhin wurden Sie vom chinesischen Botschafter empfangen, auch in den Tagesthemen wurde über Koziol berichtet. Neben all der gewaltigen PR, von der Ihr Unternehmen sicher profitiert: Wie fällt Ihre bisherige Bilanz in der Sache aus? Ein Koziol-Produkt ist das Ergebnis einer langen Versuchsreihe und hohen Investitionen. Wir nennen diesen Teil „Wissensarbeit“ und verteidigen diesen Aufwand, der einen besonderen Wert darstellt. Es ist für uns deshalb wichtig, dass wir in einem Rechtsstaat leben, der diese Arbeit auch rechtlich schützt. Asiatische Hersteller, die z.B. das fertige Produkt von uns nehmen und kopieren, tun das, weil sie meistens von europäischen Händlern dazu aufgefordert werden. Die Investitionen, die es braucht, bis ein Original entsteht, werden dabei auf unseriöse und illegale Art umgangen. Um in Europa erfolgreich zu sein, muss das Produkt der europäischen Kultur entsprechen und das ist entweder nur mit europäischen Designern oder durch Raubkopie, dem Plagiat, erreichbar. Seit einigen Jahren kontrolliert z.B. die Messe Frankfurt mit Unterstützung des Zoll die Stände asiatischer Aussteller. Kopien werden beschlagnahmt, ertappte Aussteller des Feldes verwiesen. Lässt sich eine Langfristwirkung dieser Maßnahmen messen? Ändern z.B. die kontrollierten Unternehmen ihre Produktpalette oder verzichten im kommenden Jahr lieber auf einen Messebesuch? Sie werden zumindest vorsichtiger, das zeigt, dass der Musterschutz in Europa wirkungsvoll ist. Alle unsere Produkte sind auch in Asien geschützt. Nur ist dort das Verfolgen und rechtliche Eingreifen etwas mühsamer. Welche juristischen Möglichkeiten haben Sie denn als deutsches Unternehmen, gegen einen Raubkopierer vorzugehen? Was ich mir wünsche, ist dass die Gesetze in Deutschland so wie in Frankreich angewendet werden. D.h., dass der Plagiateur tatsächlich auch einen Schaden davon trägt. In Deutschland ist die Strafe leider nicht so. Dies führt u.a. dann auch zu solchen „Blüten“ wie im Bonner Generalanzeiger mitgeteilt: „Das Geschäftsmodell von Tchibo ist erfolgreicher als der Drogenhandel“. Ein schöner Vergleich, wie wir finden. Der Käufer schädigt sich bei Plagiaterwerb in erster Linie selbst! Wenn nur noch Plagiate zu Umsatz führen, dann fehlen irgendwann die Originale und somit ein Stück Kultur, Geschmack und Stil. Bisher erhältliches Funktionsdesign wird zum Luxusgut. Die Existenz von Plagiaten könnte Ihnen ja eigentlich schmeicheln, immerhin ist auch dies eine Form von Bestätigung. Andererseits richten diese Produkte unermesslichen Schaden an und machen die Notwendigkeit eines identitätsstiftenden Marketings deutlich. Wie laden Sie die Marke Koziol emotional auf? Welche Werte soll sie transportieren? Um den Wert unserer Originale und der Marke besser kommunizieren zu können und auch für die Endkunden zugänglich zu machen, wird Koziol im Sommer 2009 ein Brandland namens Koziol Glücksfabrik eröffnen. Dort kann der Koziol-Fan die Unternehmensgeschichte erleben, den Mythos des Designs kennen lernen, die Faszination der Produktion spüren und natürlich auch Originale erwerben. Diese Authentizität, die dort gelebt wird, ist nicht kopierbar. Sehr geehrter Herr Koziol, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. |
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