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| Mit Stil zum Ziel: Argentinier setzen auf natürliche Eleganz | |||||||||||||
| Die goldenen Zeiten sind längst vorbei. Galt Argentinien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch als eines der beliebtesten Auswanderziele, so verlor das Land am Rio de la Plata ab 1930 an Anziehungskraft. Diverse Diktaturen und Wirtschaftskrisen machten aus dem ehemals zweitreichsten Land der Erde (um 1920 stammte die Hälfte des weltweit produzierten Fleisches aus Argentinien) einen Sanierungsfall, die Schuldenkrise der Jahre 2001 und 2002 tat ihr übriges. Keine wirklich guten Voraussetzungen für einen vorurteilsfreien Blick? Doch. Denn trotz der unendlichen Entbehrungen in den letzten Jahrzehnten haben sich die Menschen zwischen Buenos Aires und Mendoza Stolz und Würde bewahrt, pflegen ihre Kultur, drehen weiterhin exzellente Filme, bauen ausgezeichneten Wein an und lesen viel wie eh und je (die Analphabetenrate liegt mit 2,6 % für südamerikanische Verhältnisse angenehm niedrig). Und wenn man einmal die Wasserfälle in Iguazú oder den Perito Moreno durchwandert hat, kann man erahnen, warum das Land auch heute noch so viele Menschen fasziniert. DIE SCHÖNHEIT DER MONOTONIE Schon bei der Ankunft fallen Reisenden vom alten Kontinent die europäischen Wurzeln des Landes auf: Buenos Aires erinnert an vielen Stellen mehr an Paris als an Lima oder Bogotá, Ushuaia ganz im Süden wirkt wie ein skandinavisches Fischerdorf und Bariloche könnte auch am Genfer See liegen. Hinzu kommen polyglotte Einheimische, die Touristen aus Alemania auch gern schon mal auf Deutsch begrüßen. Doch wer das Land bereist, muss sich auf Gegensätze gefasst machen. Reich und arm liegen dicht bei einander, manchmal nur durch eine Straße getrennt. Glitzerfassaden und die allseits beliebten Country Clubs stehen in starkem Kontrast zu den ausgedehnten Slums der Vorstädte. Wer diese Zustände akzeptiert, erlebt ein Land in Dimensionen, die fernab jeglicher Vorstellungskraft liegen. Vor allem für Europäer wirken Distanzen und Zeiträume zuerst etwas gewöhnungsbedürftig, um sich danach umso intensiver ins Gedächtnis einzuprägen. Wer einmal auf einem Pferd die unendliche Weite der Pampa erlebt hat, wird dieses Gefühl nicht vergessen. Dafür ist das Land fremd und vertraut zugleich, flach, öde – aber sympathisch, anziehend. Poeten sprechen in solchen Fällen von der „Schönheit der Monotonie“.
Mit über 600.000 km2 so groß wie Frankreich erstreckt sich der bekannteste Landstrich Argentiniens über die vier Provinzen Buenos Aires, Córdoba, Santa Fe und Entre Rios. Aufgrund seiner geografischen und klimatischen Vorzüge - Weiträumigkeit, ausgezeichnete Bodenqualität und gemäßigtes Klima - bietet das Areal beste Voraussetzungen für erfolgreiche Agrarwirtschaft und gilt zu Recht als Kornkammer Südamerikas. Neben dem Anbau von Soja und Getreide aber ist es die Rinderzucht, die über Jahrhunderte Land und Leute prägte und maßgeblich zum Image Argentiniens als Land weitläufiger Estancias, melancholischer Gauchos und unübertroffen schmackhafter Steaks beitrug. ZWEI RINDER TEILEN SICH EINEN HEKTAR WEIDEFLÄCHE Naturbelassene, das ganze Jahr über nutzbare Weiden und die große Bewegungsfreiheit wissen über 52 Millionen Kälber, Kühe und Bullen tagtäglich zu schätzen. Aufgrund ihrer natürlichen Ernährung enthält argentinisches Rindfleisch geringe Mengen an Fett und gesättigten Fettsäuren. Züchter sprechen von ihren Rindern daher gerne als „in tierische Proteine umgewandelte Sonnenenergie“. Dies klingt pathetisch, entspricht aber der Realität. Die Tiere fressen im Laufe ihres anderthalb bis zweijährigen Lebens ausschließlich Gras, die Verfütterung von Tiermehl ist seit den 1950er Jahren verboten. Der Lohn harter Arbeit: In Zeiten des Rinderwahns galt Argentinien als BSE-frei. Bedingt durch die Jahrhunderte alte Rinderzuchttradition spielte Leder im Wohnumfeld immer eine zentrale Rolle. Wo in Europa Stoff dominiert, setze man hier auf Rinderhäute. Ob Teppiche, Fotorahmen oder Tischuntersetzer: Argentinier bevorzugen seit jeher Leder, daran hat sich bis heute wenig geändert: Wer einmal die Möglichkeit hat, die jährlich durchgeführte Designschau CasaFOA zu besuchen, wird überwältigt sein von der natürlichen Eleganz, mit der dortige Designer ihre Arbeit verrichten. Dabei darf auch in den aktuellen Entwürfen eines nicht fehlen: Leder. In allen Variationen. In allen Farbtönen. In allen Gerbungen. |
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